Ziegen, Schulhof, Schulgarten und Biotop

Anleitung zum Ziegendienst als Download:
DIE ZIEGEN UNSERER SCHULE 16.17

Der relativ kleine Schulhof wurde 1995 entsiegelt. Es wurden Spiel- und Erlebnisräume eingerichtet, die auf die Bedürfnisse von Grundschulkindern ausgerichtet sind.

Leider können wir nicht mehr zeigen, wie der versiegelte Schulhof früher ausgesehen hat. Aber man kann es sich vielleicht vorstellen: Asphalt pur.

Heute zeigt der Teich im hinteren Bereich des Hofes ein intaktes Biotop. Jede Klasse „bewirtschaftet“ ein kleines Gartenbeet und ein grasgedeckter Pavillon mit Nistkästen ergänzt die Möglichkeiten, mitten in der Stadt biologische Zusammenhänge verstehen und beobachten zu lernen.
Abgesehen von den Möglichkeiten, Natur zu erleben, wurde auch dem Bewegungsbedürfnis der Kinder Rechnung getragen. Es gibt beachtliche Kletterangebote und Spielgeräte, die Gleichgewichtssinn und Körperbeherrschung schulen. Der so genannte „kleine“ Schulhof steht den Kindern zur Verfügung, die in dafür festgelegten Pausen dem allgemeinen Getümmel entgehen möchten.

Der Schulhof ist täglich (außer am Wochenende) bis 18.00 Uhr als Spiel- und Erholungsfläche für alle geöffnet. Hier gelten selbstverständlich alle Regeln und Verabredungen, die auch während des Schultages gelten.

Im Schuljahr 90/91 wurde die ehemalige GHR-Schule An der Isebek in eine Grundschule mit einer Vorschulklasse umgewandelt.

Bis dahin hatte der pädagogische Schwerpunkt der Schule immer im H/R-Bereich gelegen, die einzügige Grundschule lief mehr nebenher. Und so gab es auch auf dem Schulhof keine angemessenen Angebote für die Spiel- und Bewegungsbedürfnisse von Kindern zwischen 5 und 10 Jahren.

Die gesamte Fläche war mit einer durchgehenden Asphaltdecke versiegelt. Abgesehen von zwei fest montierten Tischtennisplatten und einer Sprunggrube war der Hof leer. Nach dem Unterricht, gegen 14 Uhr, wurden die Tore geschlossen. Einem ungeschriebenen Gesetz zu folge, durfte dann der Schulhof nicht mehr betreten werden und war wie ausgestorben.

Elternrat und Kollegium waren sich einig, dass dieser unhaltbare Zustand geändert werden müsse. Der Schulhof sollte umgestaltet werden, damit er für unsere Grundschulkinder zu einem sicheren und einladenden Spielplatz werden konnte. Vor allem aber sollte er nachmittags geöffnet sein.

Für eine umfassende Neugestaltung fehlten die finanziellen Mittel. Darum überlegten wir uns, ob es nicht doch Möglichkeiten gäbe, mit wenig Geld die Attraktivität des Schulhofes zu verbessern. Wir entschlossen uns, für unsere Großstadtkinder Tiere anzuschaffen, für die sie sorgen sollten und für die sie sich mit verantwortlich fühlen konnten. Als geeignete Spielgefährten boten sich Bergziegen an. Sie sind gutmütig, unempfindlich und robust.

Nach vielen Verhandlungen mit dem Gartenbauamt, der Schulbehörde und dem Tierschutz-beauftragten waren alle Hürden für unser ungewöhnliches Vorhaben genommen. Zur Versorgung der Tiere musste der Schulhof natürlich bis abends und an den Wochenenden geöffnet sein. Wie wir gehofft hatten, trafen sich hier nun immer viele Kinder und Leute aus der Nachbarschaft.

Als nächstes legten wir mit Eltern und Kindern einen Teich an. Die Männer vom THW bauten uns ein Naturhaus mit Grasdach auf, in dem es sich wunderbar spielen und plaudern lässt. Wir sorgten für Tische, Bänke und Spielgeräte. Und so entwickelte sich der Schulhof in kurzer Zeit zu einem beliebten Treffpunkt für Groß und Klein.

1995 mussten im Zuge einer Grundinstandsetzung des Schulgebäudes auch die Siele unter der Asphaltdecke des Schulhofes saniert werden. Die Entsiegelung bedeutete für uns die einmalige Chance, den Hof neu zu planen. Der Vorschlag des Gartenbauamtes, die entsiegelte Fläche durchgehend zu pflastern, entsprach keineswegs unseren Vorstellungen von einem gut geplanten Schulhof. Wir wollten mit dem zur Verfügung stehenden Platz vielmehr einen naturnahen Spielraum schaffen, in dem die Kinder ihrem Tatendrang, ihrer Phantasie und ihrer Kreativität möglichst freien Lauf lassen sollten.

Auf der Suche nach Anregungen und guten Beispielen sah sich die ehemalige Schulleiterin, Frau Böhme, gemeinsam mit der damaligen Elternratsvorsitzenden viele Schulhöfe und Spielplätze an. Bei allen Sachfragen war Herr Mc Hardy, der für die Gebäudesanierung verantwortliche Architekt, ein geduldiger Berater. Er hat die Ideen schließlich auch in einem detaillierten Entwurf für das Gartenbauamt und die Schulbehörde zu Papier gebracht.

Viel Überzeugungsarbeit unsererseits und viel Entgegenkommen wichtiger Entscheidungsträger hat schließlich die Verwirklichung unseres Neugestaltungskonzeptes ermöglicht. Unerwartete Schwierigkeiten, wie z. B. die Auflage, den Asphalt als Sondermüll entsorgen zu müssen, haben zu finanziellen Engpässen geführt. Letzten Endes aber konnte der Umbau ohne wesentliche Einschränkungen durchgeführt werden.

Die Schule An der Isebek hat sich inzwischen zu einer angesehenen und beliebten Grundschule entwickelt. Sie ist in fast allen Klassen dreizügig und ca. 350 Kinder verbringen ihre Pausen auf dem Schulhof.

Das Konzept, Spielräume zu schaffen, die Kreativität zu fördern, Naturbeobachtungen zu ermöglichen und das Bewegungsbedürfnis der Kinder zu unterstützen, hat sich als richtig erwiesen. Die Kinder bestätigen das durch ihre Freude, mit der sie den Schulhof nutzen.

Um gewaltsame Zerstörungen zu vermeiden und ein möglichst friedliches Miteinander zu ermöglichen, gibt es in dieser Schule schon seit einigen Jahren Verhaltensregeln, bei deren Erarbeitung und Formulierung die Kinder aktiv einbezogen wurden. Regelverstöße haben Konsequenzen, die mit den Kindern und dem Elternrat abgesprochen sind. Die Regeln gehören zum festen Bestandteil dieser Schule, sie hängen in den Klassenräumen und auf dem Schulhof aus. Wir wollen mit ihnen klare Grenzen setzen und dadurch Freiräume schaffen, in denen sich die Kinder sicher bewegen können.

Seit der Umgestaltung des Schulhofes tummeln sich hier an manchen Nachmittagen viele Leute. Abends soll niemand mehr auf dem Schulhof sein. Der Hausmeister schließt ab und achtet darauf, dass alles seine Ordnung hat. Entgegen vieler pessimistischer Prognosen hat es bisher keinen größeren Vandalismus gegeben, und auch die Ziegen erfreuen sich nach wie vor bester Gesundheit. Das ist vielleicht auch der Tatsache zu verdanken, dass Nachbarschaft und Schule in gutem Einvernehmen miteinander leben.